Orchester wird zum Chor

Festliches Konzert der Stadtkapelle in der Heilig-Geist-Kirche beeindruckt das Publikum

In diesem Jahr hatte Dirigent Michael Meininger das nahezu ausverkaufte Konzert unter das Motto »Orchester und Gesang« gestellt und präsentierte den Zuhörern deutsche und englische Literatur aus unterschiedlichen Epochen in einer abwechslungsreichen Zusammenstellung.

Das Konzert begann mit englischen Seemanns- und Kirchenliedern, verarbeitet in der anfangs des 20. Jh. geschrieben Komposition »Mannin Veen« von Haydn Wood. Die Stadtkapelle Friedberg präsentierte sich dieses Jahr mit 74 Musikern als beeindruckender Klangkörper und zeigte bei diesem Stück vor allem in den Holzregistern technische Versiertheit. Das schwungvolle Stück lebt von klangvollen Melodien in abwechslungsreichen Klangfarben, die die Zuhörer in ihren Bann zogen.

Gemeinsam mit dem Bariton-Sänger Florian Conze, bekannt etwa von den Burgfestspielen Bad Vilbel oder dem Papageno-Musiktheater in Frankfurt. Er sang gemeinsam mit der Stadtkapelle Friedberg Auszüge aus Ralph Vaughan Williams »Songs of Travel«. Diese Lieder eines Wanderers für Klavier und Gesang hatte Michael Meininger extra für sinfonisches Orchester und Gesang umgeschrieben. Conze beschrieb das Erlebnis, mit einem sinfonischen Blasorchester zu singen, auch als äußerst lehrreich für sich selbst. Auch für ihn war es eine ganz neue Erfahrung, ein ganzes Orchester und nicht nur ein Klavier zu den ihm bekannten Stücken anzuführen. Auszüge aus Schuberts Winterreise, ebenfalls von Michael Meininger für Gesang und ein Bläserensemble arrangiert, beendeten den Ausflug in die klassische Musik mit diesen Stücken aus der Romantik.

Mit dem nächsten Stück stieg die Spannung unter den Musikern. Wie würde die Reaktion des Publikums auf das Werk »Mondspiegel« von Rolf Rudin, einen zeitgenössischen Komponisten aus Bruchköbel ausfallen? Dieses Werk ist Teil eines fünfteiligen Zyklus von Nachtbildern, in denen durch menschliche Stimmen erzeugte »Äußerungen« eine besondere Bedeutung bekommen. Gedichte von der Empore die besondere Art der Komposition ließ die Klänge in der festlich geschmückten Heilig-Geist-Kirche schweben. Besonders die abwechselnden Klangfarben zwischen Blech- und Holzregistern wurden von den Musikern gekonnt umgesetzt und an den richtigen Stellen ein- oder ausgeblendet. Besonders effektvoll waren der über die Lautsprecher eingespielte Chor sowie der kleine Gedichtbeitrag von der Empore. Dem Zuhörer war so immer kurzzeitig nicht ganz klar, aus welcher Richtung die Musik oder die Sprache kam. Der große Beifall in Anschluss zeigte, dass auch moderne sinfonische Blasmusik die Zuhörer in Friedberg begeistern kann.

Mit Engelbert Humperdincks Abendsegen aus seiner Oper Hänsel und Gretel stimmte das Blechbläserensemble »Friedberg Brass« der Stadtkapelle danach ruhigere Töne an. Aus der Feder von Rudin stammte auch schließlich das letzte Stück »Amen«, in dem das gesamte Orchester als großer Chor in einem kleinen Kanon zum Einsatz kam. Das Publikum bedankte sich bei der Stadtkapelle mit stehenden Ovationen für den gelungen Abend und ein mitreißendes Konzert.